Es kommt die Zeit, da heißt es Abschied nehmen ... für immer!

Für mich kam dieser Zeitpunkt 3 x in kurzen Abständen. Eine Lebenserfahrung, die mich verändert und geprägt hat.

Im Herbst 2004 mussten wir überraschend Abschied von meinem Vater nehmen. Der erste wirkliche Trauerfall für mich im engsten Familienkreis.

Es hat mich einfach umgehauen. Für mich brach eine Welt zusammen, ich konnte es nicht fassen, dass das Leben einfach so weiter läuft, als wäre nichts geschehen – da fehlt doch jemand, merkt ihr das nicht – hätte ich am liebsten laut heraus geschrien. Zum Glück war meine Mutter da, die alles  regelte und so langsam kam auch ich wieder zurück aus meinem traumatisierten Zustand.

Spätestens als es um die Grabstätte ging, war ich wieder fähig, eine eigene Meinung zu haben. Meine Mutter wollte es recht praktisch, so wie viele ihrer Generation denken. Sie war für eine einfache Rasenplatte – ein Rasengrab, etwas, was mir überhaupt nicht gefiel. Einfach eine Platte in einem Stück Rasen, wo der Rasenmäher in regelmäßigen Abständen drüber fährt, wo man keine Blumen ablegen kann?! Für sie eine pflegeleichte Lösung für mich undenkbar. So einigten wir uns auf ein Urnengrab mit einer großen Steinplatte und einem kleinen Bepflanzungsfeld.

In der Zeit nach dem Tod meines Vaters wurde mir bewusst, wie wichtig mir dieser Quadratmeter Urnengrab war. Ein Platz wo man hingehen konnte, wo man wusste, dort ist er sicher und gut aufgehoben. Kurze Zeit später bereute ich es schon, nur ein so kleines Stück Erde zum Bepflanzen zu haben. Ich liebte es, die Blumen zu verändern und alles immer hübsch in Ordnung zu halten, fast täglich war ich auf dem Friedhof.

Dann kam es Schlag auf Schlag. Im Frühling 2006 wurde mein Bruder überraschend ins Krankenhaus eingeliefert. Er fiel ins Koma und hatte innere Blutungen. Meine Mutter kämpfte in dieser Zeit das dritte Mal mit Krebs und war aufgrund einer Chemotherapie kaum ansprechbar. Ich hatte alle Entscheidungen zu treffen, somit auch die, dass nach einer Woche Koma die lebensverlängernden Maßnahmen bei meinem Bruder eingestellt werden sollten – 24 Stunden wartete ich auf den Anruf vom Krankenhaus „Ihr Bruder ist soeben verstorben.“ Diese Worte hämmerten immer wieder laut durch meinen Kopf und lassen mich bis heute nicht los. Mein Bruder war Single und auch für ihn wollte ich einen Platz haben wo ich hingehen konnte, wo er sicher und geborgen war in einem Stückchen eingerahmter Erde.

Zu unserem Glück stimmte die Friedhofsverwaltung zu, dass er im Urnengrab meiner Eltern beigesetzt werden durfte – so geschah es.
Jedes Mal wenn ich die Grabstelle besuchte gefiel mir der Zustand nicht, dass er ja nun eigentlich anonym begraben war. Seinen Namen in die Urnenplatte eingravieren zu lassen fand ich nicht passend, so hätten zu diesem Zeitpunkt zwei Männernamen dort gestanden und es war ja in erster Linie die Ruhestätte meiner Eltern.  Die Idee des Grabringes kam wie ein Blitz, als ich seinen Nachlass sortierte und auf seine umfangreiche „Herr der Ringe“ Sammlung stieß – er war ein sehr großer „Herr der  Ringe“ Fan. In dieser Sammlung befand sich auch eine Nachbildung des Rings aus den Filmen. Er war aus Silber und hatte den Ringspruch eingraviert. Somit war die Idee des Grabrings geboren.

Bereits der Prototyp wurde beim Metallbauer von vielen Kunden bestaunt und so kamen auch bald die ersten Anfragen aus der Umgebung und auch individuelle Ring- Gestaltungswünsche die an die jeweiligen Verstorbenen auf ganz besondere Weise gedenken sollen.

Der Grabring meines Bruders, welcher auch auf diesen Seiten als Beispiel abgebildet ist trägt einen Spruch in elbisch, was viele Friedhofsbesucher zum Grübeln bringt. Es soll meinen Bruder mit dem Land der Elben aus der Herr der Ringe Saga verbinden …

In naher Zukunft möchte ich auch meinem Vater und meiner Mutter, die sich leider Anfang 2007 dem Krebs ergeben musste einen besonderen Gedenk-Grabring gestalten.

18.11.2010 es ist geschafft! Inspiriert durch die vielen schönen Grabringe die ich inzwischen fertigen durfte und durch die tollen Grabgestaltungen in Verbindung mit einem Grabring habe ich nun das Grab meiner Eltern und meines Bruders umgestaltet Als Untergrund für die Ringe habe ich mich für Holzblätter entschieden, zwei zusammenhängende Blätter für meine Eltern und ein einzelnes Blatt für meinen Bruder. Die Feinarbeiten der Grabgestaltung folgen im Frühling. Ich bin glücklich und diese Planung und Umsetzung hat mir wieder einmal mehr gezeigt wie wichtig mir dieser
Quadratmeter Erde ist. Da „Zuhause“ meiner Familie und ein wichtiger Ort für mich …

Grabansicht 2007
Grabansicht 2011
Grabansicht 2012

Man kann mit den individuellen und einzigartigen Grabringen und besonders schönen Steinelementen (Sandstein, Granit etc.) oder Holzelementen eine wirklich wunderschöne und außergewöhnliche Gedenkstätte gestalten. Ist der Gedanke nicht schön, dass etwas von uns auf dieser Erde bleibt. Ein einzigartiges Denkmal das an einen einzigartigen Menschen erinnern soll. Ein Privileg, welches sonst nur den berühmtesten Menschen auf dieser Erde vorbehalten war.

Den Ring meines Bruders habe ich noch zwei Mal überarbeiten lassen. Aus den schlichten Edelstahlkugeln sind blaue Diamanten geworden.

Katrin Wiebking

Nachtrag 2020

Und wieder musste ich einen Bruder begraben. Es ist ein komisches Gefühl, er ist das erste Familienmitglied, welches nicht auf unserem Friedhof liegt sondern seine Ruhestätte in NRW gefunden hat. Aber einen Grabring hat er auch bekommen. Ursprünglich sollte es auf dem Einleger ein Airbrushmotiv seiner Lieblings Orchidee werden. Doch die Meinungen über die Ausführung gingen beim Airbrusher und bei mir sehr auseinander, was schließlich auch zum Ende der Zusammenarbeit geführt hat. Gemeinsam mit den Familien haben wir in den letzten Jahren viele schöne Motive umgesetzt, doch jetzt musste ausgesprochen werden, was letztendlich beide schon wussten. Die Luft war raus!

Müde und unmotiviert wieder nach einem neuen Partner zu suchen und die Dinge lieber wieder mehr selbst in Händen zu halten, entschloss ich mich für ein Digitaldruckbild der Orchidee und habe dabei festgestellt, dass auch hier die Technik einen enormen Sprung gemacht hat. War es früher schwer transparente und nicht transparente Bildteile bei freigestellten Bildern auf den Edelstahleinlegern abzubilden so ist das heute nicht mehr der Fall. Die Bilder haben einen leicht transparenten Hauch welches sie mit dem Edelstahlhintergund edel glänzen lässt und dennoch sind sie deckend. Durch unterschiedliche Filter können „gemalte“ Motive erzeugt werden. Mehr darüber ist hier zu erfahren.

Original Bild
Bearbeitet für den Digitaldruck
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